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Nachruf Michel Saran
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Erkelenz. Künstler haben es gut - sie schaffen, bis ihnen der Tod den Pinsel aus der Hand nimmt. Der Maler Michel Saran hatte das Glück, fast bis zum Ende seines fast 88 Jahre währenden Erdenlebens seiner Berufung nachgehen zu können. Nun ist er gestorben im Kreise seiner Familie, in seinem Atelier in Erkelenz. Auf der Staffelei steht noch ein großes Selbstportrait, Maler mit Hut und Mantel, reisefertig. Die Augenhöhlen sind dunkel. Michel Saran zählte zu den wichtigsten Künstlern
der Region. Zwei Ausstellungen zu seinem 80. Geburtstag, eine Retrospektive
im Museum Begas Haus in Heinsberg und eine mit aktuellen Arbeiten im
Kunstverein Region Heinsberg, würdigten diesen Maler. Geboren wurde
Michel Saran am 5. Februar 1938 in Halberstadt, wo seine Familie ein
alteingesessenes Optikergeschäft betrieb, das auch die Zukunft
für Michel Saran bedeutet hätte. Eine Optikerlehre schloss
er mit 21 Jahren ab, wechselten dann aber den Kurs und studierte von
1959 bis 1961 Freie Malerei an der staatlichen Hochschule für Bildende
Künste in Dresden bei Professor Gottfried Bammes. Bammes, der auch
Lehrbücher für Künstleranatomie verfasst hat, muss ein
guter Lehrer gewesen sein. Im Archiv von Michel Saran befinden sich
noch zwei sehr frühe Portraits einer damaligen Freundin, die in
kurzen Abständen an der Akademie entstanden. Sie zeigen deutlich
die schnellen Fortschritte des Studenten auf. Es sollte nur eine Reise
mit dem Motorroller aus der DDR zu Verwandten in Südfrankreich
werden, die der Kunststudent 1961 kurz vor dem Mauerbau unternahm. Doch
die Abriegelung der DDR stellte Michel Saran vor eine Entscheidung,
die seinen weiteren Lebensweg prägen sollte. Er entschied sich
damals dafür, nicht zurück in die DDR zu gehen, sondern im
Westen zu bleiben. Er setzte sein Studium bis 1966 an Staatlichen Kunstakademie
in Düsseldorf fort, wo er Meisterschüler von Professor Ferdinand
Macketanz wurde. Ein Studienkollege war Gerhard Richter, sechs Jahre
älter als Saran, ebenfalls 1961 von Dresden nach Düsseldorf
gekommen. 1969 hatte Michel Saran in der Kölner Galerie Gmurzynska
+ Bargera und in der Düsseldorfer Galerie Ilijana Popescu seine
ersten Einzelausstellungen. Doch anders als Gerhard Richter oder Sigmar
Polke, ein weiterer Studienkollege, die damals von der Düsseldorfer
Akademie aus den weltweiten Kunstmarkt eroberten, zog Michel Saran mit
seiner ersten Frau, der Dichterin Ingrid Saran, in den Selfkant. Mit
den zwei Kindern Maya und Boris lebten die Sarans lange Zeit im ehemaligen
Pastorat in Millen. Die Familie wollte ernährt und das große
Haus unterhalten sein, so wurde Saran als Quereinsteiger Kunstlehrer
am Kreisgymnasium Heinsberg. Seine Frau richtete eine kleine Galerie
in einem Nebengebäude des Pastorats ein. Die eigene Malerei betrieb
Michel Saran weiter. Er bestritt Einzel- und Gruppenausstellungen. Seine
Gemälde waren unter anderem auf der Burg Erkelenz, in der Großen
Kunstausstellung Düsseldorf, im Ludwig Forum Aachen und im Kunstverein
Region Heinsberg zu sehen. 1993 präsentierte er seine Werke in
der Kunstvoigtei Halberstadt. Seit 2004 wurden seine Bilder regelmäßig
in der Galerie [kunstraumno.10] in Mönchengladbach gezeigt. 2009
nahm er auf Einladung des Kreises Heinsberg an dem Kunstaustausch "space
one / dalkeith 09" in Schottland und Heinsberg teil. Ein großes
Triptychon, von ihm auf zehn Tafeln in drei Blöcken gemalt, mit
dem Titel "Geld - Wohl und Wehe" hängt im Gebäude
der Kreissparkasse in Erkelenz. Michel Saran engagierte sich auch viele
Jahre im Vorstand des Kunstvereins Region Heinsberg. Nach dem Tod seiner
ersten Frau Ingrid, war Saran von Millen nach Erkelenz gezogen. In seinem
dortigen Atelier mit Blick auf einen liebevoll gestalteten Garten entstand
das Spätwerk des Künstlers, der das Glück hatte mit der
Tanzlehrerin Marita Gaspers eine Lebenspartnerin und spätere Ehefrau
zu finden. Das Werk von Michel Saran umfasst Bilder scheinbar ganz unterschiedlicher
Art, die nicht so einfach auf einen Nenner zu bringen sind. "Suchbilder"
hatte sein Freund, der Düsseldorfer Kunsthistoriker Hans Peter
Thurn, sie einmal genannt. "Die Kunst des Malers Michel Saran nährt
sich aus Quellen, die dem vordergründigen Blick verborgen, gar
unvereinbar scheinen", schrieb Thurn zu einer Ausstellung Michel
Sarans im Kritzraedthuis in Sittard 1988. "Aus östlichen Gegenden
stammend, fand er Behausung und Wirkfeld im äußersten Westen.
Eine Strenge der Form, die eher nordisch anmutet, verwandelt sich ihm
immer wieder zu südlicher Gelöstheit." Und Thurn fügte
hinzu: "Nie scheint er des Henri Matisse Mahnung, die Kunst müsse
bei aller inhaltlichen und formalen Problemdarbietung eine freundliche
Grundstimmung enthalten, vergessen zu haben." Was Hans Peter Thurn
1988 über den "in der Mitte seines Schaffens und Wirkens stehenden"
Künstler schrieb, trifft sicherlich auch auf die Bilder zu, die
Saran im letzten Lebensjahr malte. Es sind Gemälde, in denen eine
grundtiefe Leichtigkeit zu entdecken ist und ein feines Gespür
für das Wesentliche der Malerei, die Farben, das Licht und die
Linie. Ob es sich nun um Gegenstände handelte, die er darstellte
oder um abstrakte Bilder, spielte eigentlich keine Rolle. Die bislang
letzte Ausstellung von Michel Saran wurde am Abend seines Todestags
in der Galerie [kunstraumno.10] in Mönchengladbach, Matthiasstraße
10, eröffnet. Michel Saran war einer der Künstler, die anlässlich
des 25jährigen Jubiläums der Galerie eine runde Holzscheibe
künstlerisch gestaltet haben. Diese Ausstellung ist noch bis zum
25. Januar 2026 freitags von 17 bis 19 Uhr sowie samstags und sonntags
von 14 bis 16.30 Uhr zu besichtigen.
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